|
Nach der Flut |
|
|
|
|
|
Jeßnitz: Rückkehr in eine Welt der Verwüstung |
|
|
|
|
|
Anblick der Häuser und Wohnungen schockiert die Bewohner |
|
|
Von Christine Krüger |
|
|
|
|
|
Jeßnitz/MZ. Gunhild Menzel hat geweint, als sie ihren Kindergarten
sah. "Ich hab''s zu Hause nicht mehr aushalten können", sagt die
Roßdorferin, Erzieherin in der Jeßnitzer Kindertagesstätte. "Ich musste
her. Und dann sah ich das hier." Sie weist mit der einen Hand auf das
Chaos, das das Wasser hinterlassen hat. Die andere Hand drückt sie an die
Stirn. Nichts ist mehr zu gebrauchen. Die neuen Möbel - futsch. Der
Fußboden - dahin. Das Spielzeug - aufgeweicht, im braunen Modder
versunken.
Gunhild Menzel
und ihr Mann Manfred ordnen das Unbrauchbare im Garten der Kita. Auch hier
hat das Wasser seine Spuren deutlich hinterlassen. Aber das, Gunhild
Menzel winkt ab, das wird schon wieder. Menzels wohnen in Roßdorf. Das hat
das Wasser verschont. "Aber alle meine Kolleginnen sind betroffen. Die
haben jetzt mit sich zu tun. Deshalb sind wir erstmal allein hier und
versuchen das Nötigste", erklärt sie. Eigentlich wollten sie in Urlaub
fahren. "Das kann ich nicht", sie schüttelt den Kopf, "das geht überhaupt
nicht." Der Reiseveranstalter, bei dem sie die Reise stornieren wollte,
wollte das nicht verstehen. "Das ist kein triftiger Grund für die." Die
Menzels haben sich sehr geärgert.
Sie sind nicht
die einzigen, die, gleich nachdem das Wasser die Stadt frei gegeben hat,
wiedergekommen sind. Überall wird geräumt, gelüftet, gekehrt. Die Möbel
werden auf die Straße geräumt. Geordnet. Für den Sperrmüll.
Ein paar
Häuser weiter bugsiert Dieter Kunze tropfende Auslegware in den Vorgarten,
legt sie neben Lampe, Couch und Schränke. Er hilft Ruth Tennert, um die
sich Kunzes schon lange kümmern. So ist er mit seiner Frau und seinem
Bruder von Wolfen-Nord rüber gekommen. Und in Ruhe gucken sie alle, was
noch zu gebrauchen ist. Das ist nicht viel, nicht mal mehr die Dielen.
"Ich hab nichts mehr, gar nichts mehr", sagt die 70-Jährige und kämpft mit
den Tränen.
Sie hofft auf
die Versicherung. Aber ob das alles klappt? Skeptisch wiegt sie den Kopf.
Aus der Stadt, berichtet sie und lächelt, seien schon Leute gekommen, und
hätten ihr Sachen zum Anziehen gebracht. "Das finde ich so nett." Ihre
eigenen, die noch gut sind, hat sie erstmal auf die Leine gehängt. Hin und
wieder blinzelt sie schalkhaft. Die ältere Frau hat heimlich hier dem
Hochwasser getrotzt. "Auf''m Boden von der Scheune hab ich gewartet. Dort
hatte ich mein Klappbett und alles, was ich so brauche. So", sie streckt
den Arm ganz gerade hoch, "so bin ich durchs Wasser." Kunzes indes hat die
Aktion Nerven gekostet. In in allen Notunterkünften haben sie nach Ruth
Tennert gefragt. "Wir waren in heller Aufregung", sagt Kunze und schüttelt
den Kopf.
In den
überfluteten Gebieten von
Bitterfeld indes kann noch niemand in die Häuser.
Doch stehen die Leute so nahe dran, wie es das Wasser zulässt.
Polizei-Obermeister Manfred Schadow weiß, was in ihnen jetzt vorgeht. Das
hat er beim Oder-Hochwasser schon mal erlebt. "Eigentlich fahre ich hier
mit dem Boot Patrouille. Aber ich nehme die Leute auch mal mit, damit sie
sich ihre Häuser wenigstens angucken können", erklärt er. Familie
Mühlbauer hat Glück. Der Keller ist nur vollgelaufen. "Damit bin ich
zufrieden", sagt Inge Mühlbauer.
Überrascht von
der Goitzsche wurden auch Bewohner von Friedersdorf. Angelika Weber steht
mit ihrer Schäferhündin Jule in der Garteneinfahrt. Nachbarn haben sich
dazu gesellt. Auch Reina Schneider, deren Chef ihr sofort frei gegeben
hat, als er auf der Insel Hiddensee die Bilder von Bitterfeld gesehen hat.
"Es hat viel zu lange gedauert, bis Entscheidungen gefallen sind. Das
Chaos ging ja vier Tage", sagt Frau Weber. "Da war das Wasser schneller."
Sie wünsche sich, dass Geld da ist, damit das nie wieder passiert. "Die
Goitzsche muss sicher gemacht werden", sagt sie und hofft nun - wie viele
andere - auf die Versicherungen und die versprochene Hilfe vom Land. Quelle: Mitteldeutsche Zeitung |
|