| Chronologie der Flut im August 2002 |
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Die Ereignisse vom 7. bis zum 18. August
Dresden/Bitterfeld/MZ.
Donnerstag,
8. August:
Freitag, 9.
August: Erste Alarmmeldungen nun auch an der Elbe: Der Pegel steigt ungewöhnlich rasch. Durch anhaltende Regenfälle hat er in Dresden bereits 5,40 Meter erreicht, wo er zwei Tage zuvor noch bei 2,16 Metern stand. Erstmals ist von Hochwasser-Gefahr die Rede. Horror-Meldungen auch aus Asien: In China und Indien kommen 10 000 Menschen bei Überschwemmungen ums Leben.
Samstag/Sonntag, 10./11. August: Nach stundenlangen Regenfällen und heftigen Gewittern steht Italiens Hauptstadt Rom unter Wasser. An der Adria müssen sich Urlauber vor den Fluten in Sicherheit bringen. Auf Mallorca werden Strandpromenaden überschwemmt.
Montag, 12.
August: Katastrophenalarm nun auch in Sachsen. Die Elbe nähert sich der Sechs-Meter-Marke. Halb Österreich versinkt nach neuen Unwettern im Wasser. Die sonst eher beschauliche Salzach führt so viel Wasser, wie seit 100 Jahren nicht mehr und ist zum reißenden Strom geworden, weite Teile der Salzburger Innenstadt stehen unter Wasser. Noch schlimmer hat es das oberösterreichische Steyr getroffen, wo die historische Altstadt in den Fluten versinkt. Auch Prag löst die höchste Alarmstufe aus und verhängt den Ausnahmezustand. In Südböhmen müssen Bewohner per Hubschrauber in Sicherheit gebracht werden.
Dienstag, 13.
August: Die Nachbarstadt Pirna muss wegen Überflutung zur Hälfte evakuiert werden. In Freiberg haben schon 80 Prozent der Einwohner keinen Strom mehr, Telefonnetze brechen zusammen. Die berühmte Uhrenstadt Glashütte, ist nur noch per Hubschrauber erreichbar. In der Sächsischen Schweiz sind viele Dörfer komplett geräumt. Kleine Flüsse wie Weißeritz oder Priesnitz sind zu reißenden Strömen geworden und bedrohen den Wasserstand der Elbe, in die sie münden. Um 23 Uhr ist Grimma verloren. Katastrophenalarm in Bitterfeld und Dessau. In Passau erreicht der Pegelstand der Donau den Rekordstand von 10,81 Metern, danach fällt er leicht. Fast die gesamte Altstadt ist nun überschwemmt. In Prag verlassen 50 000 Einwohner vorübergehend die Stadt. In Tschechien sterben neun Menschen in den Fluten, in Österreich sind es sieben.
Mittwoch, 14.
August: In Dresden kämpfen die Menschen verzweifelt gegen die Wassermassen. Der Pegel der Elbe hat die sieben Meter überschritten. Als er kurzfristig um 27 Zentimeter sinkt, glauben die Dresdner, aufatmen zu können, aber die nächsten Hiobsbotschaften dämpfen jede Hoffnung: Von Tschechien, so wird prophezeit, kommt eine gewaltige Flutwelle auf Sachsen zu, die den Pegelstand auf möglicherweise 8,50 Meter hochtreiben wird. Der Kampf der Menschen an dem Fluss, der inzwischen das vielfache seiner normalen Breite erreicht hat, wird weiter intensiviert. Wo immer Sand und Säcke zu haben sind, werden Deiche gebaut. Bisher sind in Dresden acht Tote zu beklagen. In den historischen Gebäuden und den Museen kämpfen die Menschen um unwiderbringliche Kunstschätze, die in aller Eile in höhere Stockwerke verfrachtet werden. Für viele der wertvollen Werke ist es schon zu spät. In der Semper-Oper steht das Wasser im Keller. Die unteren Refugien der gerade wieder aufgebauten Frauenkirche sind ebenfalls überflutet. Auch Meißen steht unter Wasser. Ähnlich dramatisch spitzt sich die Lage in Sachsen-Anhalt zu. In den Kleinstädten Jeßnitz und Raguhn stemmen sich die Einsatzkräfte verzweifelt gegen die aus Sachsen kommenden Wassermassen. Der Kampf ist verloren, als schließlich Deiche brechen. Jetzt helfen nur noch Evakuierungen. Auch der Chemie-Ort Bitterfeld ist bedroht. Einsatzpläne werden geschmiedet. Manche Helfer schieben 36-Stunden-Schichten - und sie können nicht einmal auf Erfolge hoffen. Das bayerische Regensburg wird von einer neuen Wasserflut der Donau erfasst, Uferregionen werden überspült. 6,60 Meter zeigt hier der Pegel - ebenfalls eine Rekordmarke. Entspannung in Passau.
Donnerstag,
15. August: Nachdem in Bitterfeld ein Damm im gefluteten ehemaligen Tagebau Goitzsche gebrochen ist, ist erneut die Stadt bedroht. Eine Evakuierung wird erwogen. Weil die Elbe immer mehr Wasser führt, kann das Wasser der Mulde bei Dessau nicht mehr in diesen Strom abfließen und staut sich immer weiter auf. Auch Magdeburg, Wittenberg, Dessau und Städte in Brandenburg bereiten sich nun auf eine Katastrophe vor. An der deutsch-tschechischen Grenze haben sich auf der Elbe fünf Lastkähne durch die Flut losgerissen und treiben herrenlos auf dem Strom. Sie werden gesprengt oder versenkt. Ein tschechisches Chemiewerk steht unter Wasser, es droht die Gefahr einer Verseuchung.
Freitag, 16.
August: Überhaupt hat eine beispiellose Welle an Hilfsbereitschaft die Deutschen erfasst. Firmen spenden Geld, Geräte oder Lebensmittel, aus allen Bundesländern kommen Helfer ins Katastrophengebiet, Solidaritäts-Konzerte oder -Sportveranstaltungen werden anberaumt. Die Hilfsorganisationen registrieren eine nie da gewesene Spendenbereitschaft. Die ersten Finanzhilfen von Bund und Ländern laufen ein.
Samstag, 17.
August: Um kurz nach 10 Uhr stürzt in Pirna eine Eisenbahnbrücke ein, die Flut hat die mittleren Pfeiler weggerissen. Die Bahnverbindung zwischen Dresden und Leipzig ist unabsehbare Zeit nicht mehr möglich. Im zuvor total überfluteten Grimma ist das Wasser wieder abgeflossen. Erst jetzt ist das ganze Ausmaß der Zerstörung augenscheinlich. Die Straßen sehen aus - ja, es bleibt nur der abgedroschene Begriff: wie nach einem Bombenangriff. 30 Häuser sind in sich zusammengestürzt. Die 18 000-Einwohner-Stadt, die gerade erst umfassend renoviert und restauriert wurde, muss von vorn anfangen. In einer einzigen Nacht ist die Arbeit vieler Jahre zerstört worden. Durch den Dammbruch im Goitzsche-See sind Teile der Innenstadt von Bitterfeld überflutet. 16 000 Bitterfelder Einwohner bleiben evakuiert.
Sonntag, 18.
August: Derweil versuchen die Helfer elbabwärts mit allen Mitteln die Dämme zu verstärken und zu erhöhen, um die Dienstag und Mittwoch kommenden Fluten doch noch besiegen zu können. |
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Quelle: Mitteldeutsche Zeitung |
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