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Mittwoch, 14. August |
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Erste Orte versanken in der Jahrhundertflut |
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Wettlauf mit der Zeit - Jeßnitz von Außenwelt abgeschnitten |
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Von Petra Buch |
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Jeßnitz/Dessau/dpa. Dramatische
Bilder wie aus einem Katastrophenfilm sind im Landkreis Bitterfeld im
Süden Sachsen- Anhalts über Nacht zur bitteren Realität geworden. Jeßnitz
versank in der Jahrhundertflut der Mulde. Der Ort wurde von der Außenwelt
abgeschlossen. Der Fluss, der bei normaler Wetterlage beschaulich den Ort
berührt, entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem reißenden Fluss. «Das
hätte ich nie geglaubt, dass so etwas auch zu uns kommt», sagte eine junge
Frau, die sich mit ihrem kleinen Sohn auf den Weg zu ihren Eltern gemacht
hatte, um dort unterzukommen.
So ernst wie
die 27-jährige Verkäuferin nahmen leider nicht alle Jeßnitzer die
ununterbrochenen Warnungen vor den Gefahren für Leib und Leben.
Unbelehrbare blieben auch beim Einbruch der Wassermassen in ihren Häusern.
Tausende Katastrophentouristen hatten sich unterdessen auf den Weg
gemacht. Viele ihrer Fahrzeuge verstopften die Straßen und behinderten so
die Arbeit der Retter. Im Bitterfelder Katastrophenstab liefen rund um die Uhr die Telefone heiß. Notquartiere wurden eingerichtet. Die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk rückten mit schwerer Technik an. Unentwegt ertönten Sirenen. Feuerwehrleute kämpften bis zur Erschöpfung gegen die Wassermassen.
Doch das Wasser stand den Menschen am Ende nicht nur bis zum Hals. Bis zu einer Höhe von zwei Metern lief das Muldewasser in die Häuser von Jeßnitz. Die Naturgewalten zeigten keine Gnade. Auch in der Altstadt von Raguhn unterspülte die Wassermassen die Straßen. Im nahe gelegenen über 1000 Hektar großen Industrieareal des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen wurde der stetige Anstieg der Wassermassen auch mit großer Sorge beobachtet. In der Ortschaft Greppin, an der Nahtstelle zum Chemieareal wurden Evakuierungen vorbereitet.
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Unterdessen
bewegte sich die Flutwelle der Mulde auch auf die Bauhausstadt Dessau zu.
Drei Stadtteile waren bereits am in der Nacht zum Dienstag evakuiert
worden. Eine gigantische Flutwelle von sechs bis acht Metern Höhe wurde
schlimmstenfalls erwartet. Hunderte Helfer hatten im Wettlauf mit der Zeit
alle Hände voll zu tun, um Sandsäcke zu füllen. Selbst die Müllabfuhr
brachte Sandsäcke zu den bedrohten Uferstellen. Tausende Schaulustige
verfolgten auch hier das Geschehen. Das Technische Hilfswerk erweiterte in
Dessau seinen Stützpunkt. Bis zu 80 000 Sandsäcke wurden angeliefert und
auch vor Ort gefüllt.
Entlang der
Mulde wurden am Ufer Sandsäcke gestapelt, um die Wassermassen aufzuhalten.
«Bevor wir absaufen, müssen wir was machen», sagte der freiwillige Helfer
Gerhard Ehrlich. Der Ex- Bahnbeschäftigte aus Dessau hatte sich spontan
gemeldet, um beim Verfüllen der Sandsäcke zu helfen. «1954 war ich auch
schon dabei», sagte er mit Blick auf die letzte Hochwasserkatastrophe.
Doch auch in
Dessau wurden trotz der dramatischen Beispiele aus dem benachbarten
Sachsen Stimmen laut, es werde nicht so dicke kommen. In den Medien werde
nur Panik verbreitet. «Ich war schon zwei Mal im Hochwasser. 1954 und 1974
habe ich überstanden, dann werde ich auch das hier überstehen», zeige sich
der gebürtige Dessauer Hans Schurig (60) optimistisch, der in dem bereits
evakuierten Dessauer Stadtteil Wasserstadt ausharren wollte. Hingegen
hatte es ein Dessauer aus dem ebenfalls gefährdeten Stadtteil Waldersee
nicht zu Hause ausgehalten.
Weil er auch
mit seinem Pony nicht wusste wohin, hatte er sich mit dem Tier rechtzeig
in Sicherheit gebracht und und harrte auf einer Parkbank aus. «Mit meinen
Pony kann ich doch nicht in die Turnhalle», sagte er mit Blick auf die
Notunterkünfte. «Wenn die Elbe auch noch hoch kommt, dann gibt das hier
eine echte Katastrophe», meinte ein Anwohner der Mulde. Die Mulde und die
Elbe fließen bei Dessau zusammen. Für die Elbe wird ebenfalls befürchtet,
dass das Hochwasser aus Sachsen nach Sachsen-Anhalt überschwappen wird. Quelle: Mitteldeutsche Zeitung |
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